Mittwoch, 30. März 2011

Hurra

Wir freuen uns, dass wir von der Türkei aus wieder auf den Blog zugreifen können! :-)

Montag, 8. März 2010

Dorfprodukte aus Olivenöl





Wie die Dorfseife gemacht wird

Gülistan und Mabule die Frau vom Köhler Achmet, machen heute Olivenseife. Verarbeitet werden die Olivenölreste der Ölfässer und alte Seifenreste

Als Seifensiedekessel wird meist eine abgeschnittene große Öltonne verwendet. Die Tonnen mit 2 Griffen angeschweißt, konnte man vor einigen Jahren noch auf dem Wochenmarkt in Tire günstig erstehen. Einen alten 18 Liter Käse oder Ölkanister hat man zu Hause und 3 Kg Kostik kauft man ebenfalls auf dem Markt oder in der Eisenwarenhandlung.


Dazu braucht man noch einen Dreifuß, einen Stock zu Rühren, ein weiteres Gefäß für den Laugenstein und einen Schöpfer.
Holz wird im Wald gesammelt, Achmet hat genug Holz zu Hause, die Arbeit kann beginnen.
Seife machen beginnt man am Morgen. Es wird im Freien Feuer gemacht und die Tonne auf den Dreifuß gestellt. 2 Ölkanister frisches Quellwasser werden darin zum Kochen gebracht.
Wenn das Wasser richtig zu prickeln anfängt wird ein Kanister mit dem Possaöl, die Seifenreste, meist klein geraspelt in das kochende Wasser geleert.
Langsam wird die Mischung zum Kochen gebracht.
Der Laugenstein wird in einem dafür vorgesehenen Gefäß aufgelöst, immer in kleinen Mengen und schöpflöffelweise in die kochende Masse eingerührt. Nach Gefühl wird die kochende Mischung immer wieder gerührt. Es gibt keine Zeitangaben, keine Mengenangaben, kein Thermometer die Frauen haben im Gefühl, was sie zu tun haben.







Ab und zu wird ein wenig kaltes Wasser dazugegeben, bis sich die Masse verdickt und sich Seife von der Lauge trennt. Probe mit dem Rührstock. Die Seife rutscht am Stock ab. Ein wenig wird entnommen und auf der Hand wird die Probe gemacht. Die Seife wird mit einer Hand voll Salz „ausgesalzen“. Der Topf wird vom Feuer genommen und die Seife wird abgeschöpft.




Keine Seifenformen…

Im Haus wird am Boden eine Ecke mit Plastik ausgelegt. Latten für die Umrandung zurecht geschnitten. Hier wird die Seife vorsichtige hineingeleert.
Fotos vom Herrichten der Form. Hintragen der Seife, dem Hineingiessen,
Die Seife wird abgedeckt und nach etwa 7-8 Stunden geschnitten.
Keine handlichen Formen, Würfel zu 300 und 400 gr. Fürs Wäschewaschen.
Etwas handlichere Stücke für den täglichen Gebrauch.
Die Lauge ist für die Frauen eine Kostbarkeit, sie wird in Flaschen gefüllt und als Putz und Waschmittel verwendet. Man geht mit der stark ätzenden Flüssigkeit recht locker um.









Die Frauen produzieren ihren Jahresbedarf, und was zuviel ist wird am Markt verkauft.
Trotz aller Angebote in Supermärkten, weiß man die Dorfseife zu schätzen.









In der Mühle (Die Steinpresse)

In der Mühle werden die Oliven auf einem rüttelnden Förderband gewaschen und von den letzten Olivenblättern getrennt. In einem Behälter mit 2 großen stehenden Malsteinen wird die Olivenmaische hergestellt.

Die Maische wird in Hanf oder Baumwolltaschen gefüllt, und in der Presse aufeinander gestapelt. Ich glaube es sind an die 30 Taschen. Mit bestimmtem Druck werden nun die Oliven gepresst. Die Taschen neu geschlichtet, mit warmen Wasser abgespritzt und ein weiteres Mal gepresst.

Die Flüssigkeit, Öl, restliches Fruchtfleisch und Fruchtwasser wird in dafür vorgesehene Becken gepumpt. Dort wird das Öl gereinigt, abgesaugt und in Fässer gepumpt.
Man kann das Öl filtern lassen, doch wir bevorzugen ungefiltertes Olivenöl. Der gesamte Verarbeitungsprozess sollte 30 Grad Wärme nicht übersteigen, um im vollen Umfang die Vitamine zu erhalten. Man spricht hier von kaltgepresstem Olivenöl. Um das Öl ausdampfen zu lassen bleibt es zunächst noch für 2-3Tage in der Mühle. Fruchtfleisch und Wasser von den Oliven setzt sich zum ersten Mal ab.


Das Kontinisystem

Dieses ältere Verfahren, das Pressen in den Steinmühlen wurde in den vergangenen Jahren vom hier so genannten KONTINI System abgelöst.
Das Säubern der Oliven bleibt gleich nur werden die Oliven nicht von Steinen zermalmt, sondern von einer Endlosschnecke aus Metall zerquetscht. Erst wird das Fruchtfleisch mittels Zentrifuge vom Öl getrennt, wird das Öl vom Fruchtwasser getrennt.
Auch hier kann das Öl in einem weiteren Vorgang gefiltert werden, oder ungefiltert in dafür vorgesehene Behälter gepumpt werden.

Man spricht von hygienischerer Verarbeitung der Oliven, von niedrigerem Säuregehalt, niedrigeren Presskosten und höherer Ausbeute.
Die Temperatur bei der Pressung kann genau reguliert werden. Je wärmer umso höher ist die Ausbeute, umso schlechter der Geschmack, die Qualität.

Wir bevorzugen nach wie vor das alte System. Obwohl es mittlerweile mit einem großen Aufwand verbunden ist, die Oliven in eine Steinmühle zu bringen. In der Umgebung haben sämtliche Mühlen aus wirtschaftlichen Gründen auf das modernere System umgestellt.

Größere Betriebe die biologisches Öl erzeugen arbeiten jedoch mit den Steinpressen. Es ist jedoch eine Preisfrage.
Höhere Verarbeitungskosten niedrigere Ausbeute dafür bessere Qualität.
Für die Bauern hier ist das nicht von Wichtigkeit, sie verkaufen ihr Öl an die Genossenschaften oder die Mühlen und werden nach der Menge bezahlt, wenn der Säuregehalt im normalen Bereich bleibt.
Für den eigenen Haushalt, bringen die Bauern jedoch die Oliven auch lieber zu einer Steinpresse.

Die Lagerung

Wir decken die Ölfässer in den ersten Wochen nur mit Tüchern ab. Das restliche Fruchtfleisch setzt sich in etwa 3 Monaten ab und das Öl gehört nochmals umgeschöpft. Der Geschmack könnte sonst beeinträchtigt werden.

Die Ernte ist vorbei, die Fässer im Keller, beschriftet mit Datum Garten und Säuregehalt. „Bas und Tip Zeytin“ was soviel heißt wie vom Baum geerntet oder vom Boden geklaubt.
Da uns dort wird Öl entnommen, gekostet, gewärmt und mit Weißbrot gegessen.

Mazerate (Ansatzöle) Seife und Salben


Für mich ist immer ein Fass dabei. In diesem Öl setze ich meine Kräuter an, daraus mache ich unter anderem auch meine Salben. Dieses Öl verwende ich für meine kalt gerührten Seifen.

Aus dem abgesetzten Possa – Öl Fruchtfleisch und Wassergemisch, wird die Dorfseife gemacht.

Meliha, eine ältere Frau aus dem Dorf, macht ihre Seifen noch selbst. Es sind nur mehr wenige, die das Seifesieden können. Das Herstellen der Dorfseife ist auch für die Gesundheit nicht ganz ungefährlich. Mürfet, sagte mir sie bekomme davon Herzbeschwerden drum macht sie keine Seife mehr. Wenige von den jüngeren Frauen haben die Arbeit noch gelernt.
Mich hat es interessiert.

Von Olivengärten, Olivenbäumen und Olivenöl




Sultaniye liegt im ägäischen Raum der Türkei. Hier haben wir auch unsere Olivengärten. Seit 1986 bewirtschaften wir hier die Gärten in nachhaltiger Wirtschaftsweise. (Sprich biologisch).Alle 2 Jahre gibt es eine Haupternte.
Ich mach die Arbeit gerne, für einige in unserer Familie ist es ein Grund nach Österreich abzureisen.

Die Ernte beginnt

Bei uns beginnt die Ernte meist Oktober und endet im Februar, manchmal sogar erst im März. Das ist von Ernte zu Ernte verschieden.
Wir ernten die Oliven noch von Hand, obwohl es schon verschiedenste Erntegeräte gibt. Hier vor allem Rüttel - und Pflückmaschinen.
Soweit es möglich ist, werden die Oliven gepflückt, wo man sie nicht mehr erreichen kann, werden sie mit langen speziell dafür angefertigten Stangen (Tschirpstangen) geerntet. Diese Arbeit will gelernt sein, denn beherrscht man sie nicht, werden die Früchte verletzt und die jungen Triebe am Baum heruntergeschlagen. Das Tschirpen ist wohl die mühsamste und schwerste Tätigkeit während der ganzen Ernte.
Wenn die Früchte reif sind, das ist dann meist so um den Jahreswechsel, werden die Bäume abgeerntet. Wir arbeiten meist in 2 Partien, es wird vorgeklaubt. Überreife und durch den Wind abgeworfene Früchte werden extra geklaubt. Anschließend werden Planen unter die Bäume gelegt und die Bäume zur Gänze abgeerntet. Dann werden die Planen zusammengerollt, die Blätter werden ausgeklaubt und die Oliven in Kisten geleert.
Ein guter Klauber sammelt an einem Tag etwa 50 kg Oliven ein, wenn sie frei vom Boden aufzuklauben sind.
Getrennt nach Qualität werden die Oliven auch zur Mühle gebracht und dort getrennt gepresst.
Innerhalb von 3 Tagen sollte eine Presse geklaubt sein, das sind mindestens 700 kg Oliven. Für einen Liter Olivenöl benötigen wir von 3,5 bis 5 kg Oliven.

Samstag, 16. Januar 2010

Die geräumte Bürgermeisterei





Im Frühling geht es weiter.

Weitere Korrespondenz mit den Behörden






Sehr geehrter Herr Kaymakam,

Bezugnehmend auf unsere Stellungnahme, möchten wir Ihnen einen kurzen Bericht über den weiteren Verlauf geben.
Wie beschrieben, haben wir das Gebäude hergerichtet, die ersten Veranstaltungen und Aktionen fanden statt. Die kleine Dorfgalerie war in Betrieb und hat sich auch schon der ersten Besucher mit gutem Echo erfreut.

Da der Mietvertrag nach Prostest von einer Personengruppe aus dem Dorf von Ihrer Stelle aufgelöst wurde, fand die neuerliche Versteigerung am 16.9.2009 statt.
Da um Berichterstattung Ihrerseits ersucht wurde, haben wir ein Sitzungsprotokoll verfasst, welches wir Ihnen als Beilage zukommen lassen.

Von den etwa 30 Menschen, die im Dorf doch leben, sind viele von diesem Ergebnis betroffen.
Vor allem die im Dorf lebenden Frauen, haben sich über gemeinsame Aktivitäten gefreut.

Viele sind den wortgewaltigen Männern hier im Dorf nicht gewachsen. Da es bei Treffen und Versammlungen immer zu derartigen Ausschreitungen kommt, nehmen sie auch aktiv am Dorfleben nicht mehr teil.

Was die Menschen wirklich denken, das kann man dann von jedem in seinem Haus erfahren, wo er in Ruhe reden kann.

Für mich war diese Versammlung ein Grund mehr, weiter an der Entwicklung einer Dorfgemeinschaft zu arbeiten. Die Menschen sind hier alleine, ohne Hilfe nicht mehr in der Lage, aus den alten Konfliktmustern auszusteigen. Normale Umgangs und Kommunikationsformen sollten wieder gelernt werden damit jeder gehört und verstanden wird.

Diese gezielte Aktion DEPOT sollte kein weiteres Beispiel und keine neuerliche Bestätigung dafür sein, dass es in Sultaniye keine Gemeinsamkeit gibt.
Diesen Satz kann man von jedem Dorfbewohner hören. Wir – sollen dies endlich einsehen.

Offen gesagt das fällt uns schwer. Wir werden einen weiteren Versuch unternehmen.

Mit dem Projekt DEPOT – eine kleine Dorfgalerie sind wir im Moment obdachlos,
werden jedoch überlegen wie wir weiterarbeiten können.

Die Bestrebungen des Bürgermeisters als Gegenzug das alte Muhtarlik zu schleifen, möchten wir nicht unterstützen, da es eine weitere Provokation von einer Seite sein soll, die nichts zum Frieden im Dorf beiträgt.

Über Hilfe und Unterstützung von Ihrer Seite wären wir sehr dankbar,
mit der Bitte um Kenntnisnahme verbleiben wir,
Brigitta Edler Johanna Picker

PS: Wir haben mit der Münchner Reiseagentur Studiosus ein Übereinkommen getroffen, dass ab April 2010 Reisegruppen nach Sultaniye geschickt werden. Man ist an Dorfentwicklungsprojekten interessiert.
Ich möchte meiner Betroffenheit von all dem was in meiner näheren Umgebung, geschieht Ausdruck verleihen, wenn möglich in künstlerischer oder aktionistischer Form.
Meinem Anspruch „Der zunehmenden Kälte entgegenzuwirken, mit Liebe zu antworten, fällt mir oft gar nicht so leicht.
Ich ertappe mich manchmal, bei derartigen Vorkommnissen überhaupt nicht liebend zu empfinden, fühle mich wie betäubt, verstehe die Sprache nicht mehr, und so klamm heimlich im Hinterkopf macht sich meine Empörung breit.
.
Die Feiertage kommen, der dörfliche Friede kehrt unter den Menschen wieder ein, man hat uns gesagt und wiederum gezeigt, dass in Sultaniye nichts möglich ist. Die Leute sind bestätig und beruhigt. Lösungen nach dem alten Muster werden fortgesetzt. Die Feinde sind schnell festgestellt.
Wie schade es doch ist, dass sich alles so entwickelt hat, es war so schön, man hat sich schon auf die Arbeit gefreut, sagen mir die Frauen im Dorf. Ich hätte einfach mehr Geld bieten sollen…… wirklich??


25.9. 2009 Die Geschehnisse durchgekaut, langes Überlegen wie man den Übergang schaffen kann, komme ich zu dem Entschluss die Bilder in den Privathäusern aufzuhängen. Großteils haben sich die Dorfbewohner dazu bereit erklärt. Ein weiterer Schritt wäre eine Dorfpartnerschaft mit Österreich aufzubauen. Ja so in diese Richtung wird es wohl weitergehen. Ich brauche noch etwas Zeit um alles gut zu verarbeiten, als Ziel setze ich mir den Frühling diese Arbeit fortzusetzen.






Am 18. September findet die 2. Versteigerung statt.

Ich gehe zu Ali, er ist am Abend bei der Versteigerung da. . Er versteht noch immer nicht warum ich mir das antue.
WeiLs ich es einfach als meine Verantwortung ansehe, dort wo ich lebe ZU SEIN. Ich habe meine Ausdrucksform gewählt. Für mich hat Kunst immer unter die Menschen gehört, nicht nur in Galerien. Möchte ständig gute Künstler zur Mitarbeit einladen.

Fahr noch schnell zu Fatma Hanim vom Ilcimüdürlük, sie begrüßt mich herzlich, hat jedoch gleich Ängste, dass ich ihre Hilfe erwarte. Habe keine Anliegen, ich zeige auf, mache sichtbar was alles so unter den Teppich gekehrt wird. Einstweilen noch alleine, eine Gemeinschaft – Dorfgemeinschaft gibt es noch nicht.

PROTOKOLL

2. Versteigerung des alten Muhtarlik in Sultaniye
16.Spt. 2009 – 20.00Uhr
Anwesende: (Von Seiten der Antragsteller einer neuen Versteigerung): Selami Ücü – (Veli, Selamis Neffe ein 16 Jähriger), und Cavit Ücü ( während der Diskussion dazugekommen Hatice Ücü sowie Ümmet Ücü mit einem Stock bewaffnet)

Von den Befürwortern: Cetin Mermer der Bürgermeister, Metin Mermer, Mehmet Bayraktar, Halil Tektas Bürgermeister aus Arvalia, Yavuz Asici. Esat Bayraktar, Ali Dincer, (beim Palamut im Hintergrund Mehmet Bayraktar II und Gülistan Bayraktar. Jonas Jelken Besuch aus Österreich, er hat einige Jahre seiner Kindheit hier verbracht. Katharina Orban Besucherin aus Österreich Johanna Picker hier wohnhaft und Brigitta Edler.
Etwas entfernt bei den Häusern eine weitere kleine Gruppe von Frauen,
die die Versteigerung aus sicherer Entfernung mit verfolgen.
Cetin Mermer: Der Bürgermeister ergreift das Wort. Das a. M. wurde um 25 TL vermietet. Wer bietet mehr.
Selami: Fragt wer der Mieter sei.
Johanna P.: Erklärt, dass sie die Mieterin ist, jedoch die Arbeit mit ihre Mutter Brigitta Edler gemeinsam an diesem Dorfentwicklungs- und Kunstprojekt arbeitet.
Selami : bietet 26 TL.
Cetin M.: Fragt wer mehr bietet: Die Frage an Johanna, was sie dazu meint.
(Es kommen keine Reaktionen von den Anwesenden)
Johanna P: Wir steigern nicht mit. Johanna versucht unsere Anliegen zu erklären, das Wort wird ihr schnell abgeschnitten, darum ging es nicht das wären alte Vereinbarungen. Es geht darum schnell die neuen Vereinbarungen abzuklären. Das Objekt unverzüglich zu räumen, und die Frage unter welchen Bedingungen der Vertrag abgeschlossen wird.
Eine heftige Debatte entsteht, was möglich ist und was nicht wird schnell festgestellt,
dass das Objekt für die Dorfbewohner nutzbar sein muss, wird zurückgewiesen, die Möglichkeit, dass die Dorfbewohner hier ihre eigenen Produkte zum Verkauf anbieten könnten, wie das beabsichtigt ist wird als Unsinn abgetan. Cavit Ü. tut sich diesbezüglich besonders hervor.

Ali Dincer versucht nochmals zu erklären, dass das Gebäude, renoviert, und saniert wurde…es wurde ihm sofort das Wort von Cavit Ü. abgeschnitten mit den Worten,
SEN SUS, SEN KONUSMA,
Da die Stimmung sehr gespannt und aggressiv war, wollte der Bürgermeister Halil Tektas einlenken.
Auch ihm fiel man ins Wort und er wurde zurecht gewiesen, dass er hier nur geduldet sei und keinerlei Kommentare abzugeben hätte. Halil Tektas stand auf und verließ die Versammlung. (Er hat in seinem Auto den weiteren Verlauf der Versteigerung mitverfolgt).

Bei einer weiteren Wortmeldung von Metin B., wird dieser lautstark niedergebrüllt.
Die Gemüter erhitzen sich, die Männer gehen zum zweiten Mal aufeinander los.

Hatice Ü. kommt wohl durch das Gebrüll auf der Versammlung angelockt und hält dem Bürgermeister eine lange Rede und klärt ihn über seine Pflichten auf.
Nach einem längeren Monolog, wird ihr das Wort von ihrem Mann genommen.
Während der Versammlung wurde uns vom neuen Mieter mitgeteilt, dass wir hier zu Gast wären. Zwar Gäste denen auch alles zusteht wie den anderen, z. B. Strom Wasser etc. (Wir leben hier seit 1988)
Johanna stößt sich schon lange an dem Wort Touristen, das gewohnheitsgemäß immer wieder einmal für uns verwendet wird.
Sie, Johanna, möchte hier nicht als Tourist gesehen werden, sie hätte sich entschlossen hier zu leben, sie möchte sich hier zu Hause fühlen können.
Selami Ü.: Möchte die Sache beenden, das Objekt soll geräumt werden, morgen hätte er gerne den Vertrag, der auf ein Jahr abgeschlossen werden soll.

Bei der Einwendung eines Dorfbewohners, dass hier ja auch Mühe, Einsatz und Kosten entstanden sind, meint Selami Bey, gelassen, das wäre ein Problem zwischen dem Bürgermeister und den alten Mietern.

Wie wir in unserer Stellungnahme schon mitgeteilt haben, geht es bei kaum einen Konflikt im Dorf um die jeweilige Sache, es geh ums Sagen und wer die Macht hat.
Als Abschluss wurde uns noch von Selami Ü. sowie Cavit Ü. mitgeteilt, dass sie uns mögen, dass wir die Sache hier nicht falsch verstehen sollten, das hätte alles nichts mit uns zu tun.


Der Komik halber Auszüge von den Aussagen während der Versammlung:

Zum Thema Verständigung und demokratischen Umgang
Ali D. will etwas erklären
Cavit brüllt: „Sus, Du redest nichts“ ,
Ali: „Bin ich kein Mensch“
Cavit noch lauteres Gebrüll: „ Du sei still.“
Das wiederholt sich bis die Männer aufstehen und aufeinander losgehen.

Metin A…… nicht zum Wiedergeben.
Cavit: „Sei still, Sus, wer bist denn Du hier schon.
Metin: „Sen sus, es ist offensichtlich, dass deine Scheisse überall herausrinnt…

Wieder Wortwechsel, bis die Männer aufeinander losgehen … werden von den anderen zurückgehalten.

Nach einem Redeschwall von Hatice, wird sie von ihrem Mann zurechtgewiesen:
„Sus, wir haben jetzt genug gehört von Dir.“ Frau schweigt.

Ausländer und Integration:
Selami Ü.: „Wenn ich gefragt werde, wem dieses Haus da oben gehört, dann sage ich den Fremden, oder den Österreichern, den Touristen“.

Johanna erklärt, dass sie das kränkt, wenn sie nach über 20 Jahren hier sein, immer noch „Tourist“ genannt wird.

Selami Ü.: Ich kann es mir auch nicht aussuchen wie ich von den Leuten genannt werde. Wenn es dir nicht passt, musst du die türkische Staatsbürgerschaft annehmen und deinen Namen auf Ayse oder Fatma ändern. Das wird aber auch nichts nützen, denn mit Sicherheit wirst du nie eine von hier sein.

Mimik, Gesten, Stimmungen, das Daherkommen eines jungen Menschen mit einem Stock in der Hand in dem Moment wo sich die Gemüter erhitzen….. lassen sich hier schwer wiedergeben.
(Ein Problem, das wir auch hier gut kennen. Seit Jahren arbeiten wir gegen Fremdenfeindlichkeit, Integration und Völkerverständigung zwischen Österreich Türkei. Wir organisieren da und dort Kunstprojekte. ( 2004 TON:on:TON) diverse Ausstellungen in der Adnan Franko Galerie, in Linz, Steyrermühl, Sarajevo)…etc..

Mehmet, erster Berater des Bürgermeisters, empört über das heutige Geschehen brüllt „Das sind ja Kommunisten!“.
Cetin der Bürgermeister: weist ihn liebevoll zurecht, nein, du meinst Faschisten.